Glanzgarn, lüstriertes Garn, Eisengarn

Informationen zu Historie und Rekonstruktion von Eisengarn für Ihr Stahlrohrmöbel

1926 löste der Stahlrohrsessel eine Begeisterungswelle aus. Mit diesem Modell zeigt Marcel Breuer einen skupturalen industriellen Ansatz.

Information zur historischen Herkunft und zu heutigen Möglichkeiten

Aufbau

Eisengarn: einfaches oder mehrfach gezwirntes, festgedrehtes Baumwoll- oder Zellwollgarn, das mit Appreturmasse (natürliche Pflanzenstärken) gesteift und auf Lüstriermaschinen (Bürsten), mit Paraffinen glatt und glänzend gebürstet wird.

Eisen?

Der Begriff ‚Eisen-‘ bezieht sich auf die hohe Festigkeit und Steifheit, inhaltlich ist keine Metallverbindung im Garn! Das Lüstrieren bzw. Paraffinieren erfolgte auf einer Maschine mit Walzen und wachsbeschichteten Bürsten. Für die Beschichtung kommen natürliches Wachs, Paraffin, Pflanzen- oder Tierfette zur Anwendung.

Anwendung

Es findet Anwendung bei stark mechanischen Belastungen, oft der Witterung oder anderen Beanspruchungen ausgesetzten textilen Flächen (Planen, Abdeckungen, Seile, Schnüre, Netze, Besatzmaterial an Bekleidung, Isolationsmaterial, Möbelbesatz usw. – meist geflochtene, gewirkte oder gewebte Textilien).


Foto von Margaretha Reichardt mit geschlossenen Augen auf einem Bett
Foto: ca. 1929, Werner David Feist

Margaretha Reichardt

Zwischen 1921 und 1925 absolvierte Margaretha Reichardt eine Ausbildung an der Staatlich-Städtischen Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Erfurt. Sie begann ihr Studium ab 1926 am Bauhaus in Dessau. Margaretha Reichardt besuchte zunächst den Vorkurs bei Josef Albers und László Moholy-Nagy, später den Unterricht bei Paul Klee, Wassily Kandinsky und Joost Schmidt. Sie spezialisierte sich in der Weberei bei Gunta Stölzl und wurde ab 1930 freie Mitarbeiterin in der Weberei und Hospitantin in der freien Malklasse bei Wassily Kandinsky.

1929 legte sie vor der Handwerkskammer Dessau ihre Gesellenprüfung ab und erhielt im Juli 1931 das Bauhausdiplom Nr. 54 der Weberei. Im Rahmen ihrer Arbeit in der Weberei des Bauhauses war sie maßgeblich an der Entwicklung des sogenannten Eisengarngewebes beteiligt, einer Stoffbespannung für Stahlrohrmöbel. Reichardt fertigte einen strapazierfähigen und besonders festen „Eisengarn“-Stoff, der zur Bespannung der Stahlrohrmöbel von Marcel Breuer verwendet wurde.

Das ‚neue‘ Eisengarngewebe

Cammann Gobelin Manufaktur® rekonstruiert Eisengarn für Ihr Stahlrohrmöbel

Das Garn wird speziell für die Neuauflage aus einem festen Filamentgarn und einer Ummantelung aus Baumwolle als beschichtetes Glanzgarn gefertigt. Die Gurte werden auf einem Handwebstuhl von einer erfahrenen Handwebmeisterin in Sachsen gewebt. Dieses Eisengarngewebe ist als Rekonstruktion für die historisch authentische Restaurierung von Stahlrohrmöbeln gedacht und kein Gewebe für den Alltagsgebrauch. Gelegentliche Nutzung, um den Nimbus der Stahlrohmöbel zu erfahren, ist selbstverständlich realisierbar.

  • Foto M. Reichardt ca.1929 von Werner D. Feist; Foto M. Breuer ca. 1926 von Constance L. Breuer
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